Ernst Toepfer,
ein großer nassauischer Maler

 
 
Ernst Toepfer, der am 4. Juni 1887 geboren wurde, gehört ohne Zweifel zu den größten Malern unserer nassauischen Heimat. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in seiner Geburtsstadt Wiesbaden.
Von 1893 bis 1895 besuchte der junge Toepfer die private Zeichen- Mal- und Kunstgewerbeschule des akademischen Zeichenlehrers H. Bouffier in Wiesbaden. Dieser attestierte seinem Schüler: " recht gutes Auffassungsvermögen und recht gutes Können, gepaart mit großem Fleiße."
Es folgten, bis Mitte 1898, Studienjahre an der Großherzoglichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Der dortige Direktor, Leopold Graf von Kalckreuth, bescheinigte dem jungen Künstler: Talent, Fleiß, gute Fortschritte sowie musterhaftes Betragen.

Um sein Können zu vervollkommnen, nahm er 1898 ein für ihn künstlerisch prägendes 10jähriges Studium an der Königlich- akademischen Hochschule der bildenden Künste in Berlin-Charlottenburg auf. Ende 1908 verließ er die Akademie, als Meisterschüler mit eigenem Atelier.
Seine spätere Ehefrau, Maria Theresia Klaus lernte Toepfer während eine Malaufenthaltes in Brandenburg kennen. Im Jahre 1909 heiratete das Paar in Berlin. Es bestand der Wunsch, zurückzukehren in die nassauische Heimat des Malers. Nach längerem Suchen fand sich 1910, in Idstein, Obergasse 15, das passende Objekt ihrer Wünsche. Liebevoll restauriert, ausgestattet mit alten Möbeln und historischem Hausrat, diente es der wachsenden Familie als Domizil.
 

Nach Militärzeit und Teilnahme am 1. Weltkrieg kehrte er, nun 40-jährig, in seine neue alte Heimat zurück. Die hier getroffene Auswahl, die Beschränkung auf Bilder mit regionalem Bezug, bezeugt die Heimatverbundenheit und Liebe des Künstlers, ohne seine künstlerische Größe und Bedeutung zu schmälern.Es war daran gelegen, die Ausstrahlung und die von ihm meisterlich beherrschten Mittel durch die Kunstfreunde Runkel in dieser Ausstellung einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.
 
 Als realistischer Impressionist ist Ernst Toepfer in seinen Stilformen ein Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In seinen Arbeiten werden einige der großen Kunstrichtungen gestreift. Man spürt, wie Toepfer die Strömungen genau beobachtet und vieles davon für sich verarbeitet. So tauchen bei ihm häufig Anklänge an Lovis Corinth, Karl Blechen, Wilhelm Leibl und Carl Schuch auf. An neueren Tendenzen hat sich Toepfer nicht orientiert, er pflegte dagegen in seinem abgeschiedenen Malerdomizil ganz bewusst seinen Stil. Dank seines großen malerischen und zeichnerischen Könnens, seinem subtilen Farbempfinden und seiner Auseinandersetzung mit den Fragen der Licht- und Schattenwirkung, erlangte Toepfer eine souveräne Meisterschaft.
Auffallend bei seinen Arbeiten ist die Liebe zu scheinbar unbedeutenden Ansichten, wie etwa der Ruine Balduinstein, der er ohne jegliches Pathos und mit geschmacklicher Sicherheit einen ungewöhnlichen Zauber zu verleihen vermag.
Ernst Toepfer lädt ein zum intensiven Schauen, wenn er sich voller Innigkeit und mit liebevollem Bezug zur Landschaft mitteilt und so den Blick öffnet für ungewöhnliche Details.
Der Idsteiner Maler Ernst Toepfer verstarb 78-jährig am 6. August 1955.