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10.04.2026

Der „Sheriff von Runkel“ tritt ab

Matthias August hat sich über einige Jahrzehnte hinweg für Recht und Ordnung eingesetzt

Eberhard Bremser, der Erste Stadtrat von Runkel (vorne rechts), Büroleiter Fabian Bergmann (links) und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Runkel sagen Matthais August (Bildmitte) "Lebewohl".

Über das originelle Geschenk seiner Frau Pia, ein besonderes T-Shirt, freut sich Matthias August riesig.

Eine derartige Verabschiedung eines Mitarbeiters dürfte es in der Stadtverwaltung Runkel noch nie gegeben haben. Am letzten Arbeitstag sollte es für den Ordnungspolizeibeamten Matthias August aus Langhecke einen freudigen „Großen Bahnhof“ geben. Der Sitzungssaal des Rathauses war voll besetzt mit Kolleginnen und Kollegen des sichtlich gerührten Ordnungspolizisten.

Eberhard Bremser, der Erste Stadtrat von Runkel, verstand es, mit ausgesprochen persönlichen und emotionalen Worten Matthias August „Lebewohl“ zu sagen. Es sei für ihn eine große Ehre, einige Worte des Dankes und der Anerkennung zu sprechen, so Bremser. Fast 50 Jahre war der 64-jährige Matthias August beruflich tätig. Seine Laufbahn war vielfältig. Sie begann mit der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker beim damaligen Mercedes-Benz Autohaus Collée in Offheim. Danach entschloss er sich, zur Firma Siemens in Frankfurt zu wechseln, um dort eine weitere Ausbildung zu realisieren. Schließlich arbeitete er dann zwölf Jahre als Fernmeldeelektroniker. Eines Tages entschloss er sich zu einem weiteren beruflichen Wechsel und bildete sich zum Ordnungspolizeibeamten fort. In den ersten neun Jahren war er dann in dem neuen Bereich für die Stadt Limburg tätig. Es sollten letztendlich 26 Jahre im Ordnungsbehördenbezirk Runkel und Villmar (in früheren Jahren zählte noch die Gemeinde Weinbach dazu) folgen.

Viel Engagement und Verantwortungsbewusstsein

Der Erste Stadtrat Bremser zeigte sich vom beruflichen Werdegang von Matthias August begeistert: „Herr August hat nahezu fünf Jahrzehnte hinweg seine beruflichen Tätigkeiten und zuletzt seinen Dienst als Ordnungspolizist mit großem Engagement, Verantwortungsbewusstsein und hoher Professionalität ausgeübt.“ August habe für Sicherheit, Ordnung und ein gutes Miteinander in der Stadt gesorgt. Mit Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit und einer guten Portion Menschenkenntnis habe August seine Aufgaben erfüllt - selbst zum Ende seiner Tätigkeit habe er der Stadt finanziell noch weitergeholfen. Durch seinen Einsatz habe Runkel Tausende Euros bei der Anschaffung eines Netzgerätes für eine Radarsäule weniger investieren müssen. „Mein Abschiedsgeschenk an die Stadt“, so August. „Das war damals, als ich in Runkel angefangen hatte, nicht unbedingt einfach. Ich war in den ersten zehn Jahren gezwungen, den gesamten Ordnungspolizeibereich komplett allein aufzubauen“, erzählte Matthias August. Neben unzähligen positiven Erlebnissen habe es natürlich auch ab und an unangenehme Aufgaben zu bewältigen gegeben.
Der auch anerkennend als „Sheriff von Runkel“ bezeichnete Mann verkündete stolz, während seiner Amtszeit in Runkel der Stadt rund 3,8 Millionen Euro eingebracht zu haben. Sein Dank galt auch seinen Kolleginnen und Kollegen: „Das war alles nur in Teamarbeit zu erreichen“, sagte er. 

Dankbare und unzufriedene Menschen kennengelernt

Gerne denkt er an „dankbare Menschen“ zurück, wenn es zum Beispiel mal wieder galt, mobil zu blitzen. „Da ist es immer mal wieder vorgekommen, dass uns als Dankeschön Leute Kaffee und ein Stück Kuchen vorbeigebracht haben“, berichtete August. Schmunzelnd ging er noch auf ein besonderes Erlebnis ein. In Runkel habe er jedes Mal, wenn in der Nähe der Sparkasse geblitzt wurde, ein großes Lob von einem bestimmten Mann bekommen. Das änderte sich jedoch von jetzt auf gleich. Denn eines Tages hatte es den Lobredner selbst erwischt und seitdem war die gute Verbindung abrupt beendet. „Er hat danach kein Wort mehr mit mir geredet und auch immer weggeschaut, wenn wir uns begegneten“, merkte August an. Nach einer schweren Krankheit will er jetzt noch das Leben in vollen Zügen genießen.

„Nach so einem Erlebnis lebst du viel bewusster“, stellte August fest. Mit seinem uralten VW-Bus möchte er gemeinsam mit seiner Frau Pia nun viele Reisen unternehmen. Der Vorsitzende des Motorsport-Clubs Langhecke freut sich auch schon auf die alle drei Jahre stattfindende und überregional beliebte Oldtimer-und Motorsportausstellung. Die folgende Ausstellung ist im Jahr 2028. Und „auf jeden Fall“ will er auch weiterhin einem weiteren Hobby, nämlich dem Kegeln, nachgehen. Er freut sich zudem darauf, in Ruhe einkaufen zu können, „ohne dass mich irgendeiner noch auf meinen Beruf anspricht“. Da solle man sich doch eher an seine Nachfolgerin Carmen Schneider, die unter 06482-916113 erreichbar ist, wenden. Ihr wünsche er alles Gute. Niemals werde er die herrliche Verabschiedung vergessen. Besonders berührt habe es ihn, dass viele seiner nun Ex-Kolleginnen und Ex-Kollegen Spalier standen, als er das Runkeler Rathaus verlassen habe.

Text + Fotos: Peter Schäfer